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Todesstern

Todesstern!

Wir sind innerhalb der Partei zu dem Konsens gekommen wir wären postgender. Leider fehlt der Debatte dazu die nötige intellektuelle Grundlage. Wir überkleben Toilettentüren, merken aber nicht, daß wir erlernte Denkmuster leben. Eine wirkliche Gleichberechtigung setzt die Akzeptanz unserer individuellen Verschiedenartigkeit voraus. Eine Grobkategorisierung in einzelne Gruppen (Männer, Frauen, Eichhörnchen) und die Gleichberechtigung dieser Gruppen ist ein Schritt in die richtige Richtung. Und unter Umständen auch eine Quote, obwohl sie nicht das erste Mittel der Wahl sein sollte, da ein Verständnisprozeß ohne Quote mehr lulz hat. Dennoch geht Gleichberechtigung erst dann, wenn ich in der Lage bin andere Menschen vollständig gleichwertig zu betrachten.

Bei Menschen, die ähnliche Positionen vertreten, wie ich selbst mag das einfach sein. Vertritt jemand komplett andere Ideen, als ich ist es schwieriger. Dann neigen wir dazu diese Menschen zu kategorisieren und ihr Verhalten in unseren erlernten Denkmustern zu interpretieren. Das führt zu einer Erwartungshaltung unsererseits, daß diese Menschen sich in bestimmter Art und Weise verhalten müssen, weil sie ja <Todesstern> sind. Dadurch ist es uns nicht mehr immer möglich ihnen respektvoll und vorurteilsfrei gegenüberzutreten. Schöne Beispiele dafür sind der gegenseitige Umgang, nach dem BGE-Beschluß, die liquid-Kriege oder auch die Reaktionen auf irgendeine Form die Genderpopenderdebatte zu diskutieren.

Wir denken wir wären total tolerant, akzeptieren jeden einzelnen, weil Mitmachpartei, aber der Umgangston unter Leuten, die unterschiedliche Positionen vertreten, offenbart unsere Wertungsebenen anderen Menschen gegenüber. Ich nehme mich da selbst nicht aus. Wenn wir die Gesellschaft dahingehend verändern wollen, daß jeder sich gleichberechtigt entfalten kann, müssen wir selbst in der Lage sein das zu leben und unser eigenes und das Verhalten anderer kritisch zu hinterfragen.

Es nützt nichts, wenn das Geschlecht nicht mehr im Perso erfasst wird, Frauen aber bei gleicher Arbeitsleistung, schlechter bezahlt werden. Oder der traditionelle Weg der Familie, in der die Frau die Kinder hütet, gelebt wird. Das gleiche gilt in Beziehung auf andere “Minderheiten”, seien es Schwule, Katholiken, Behinderte oder Zugezogene. Wenn wir Menschen aufgrund irgendeines von uns gewählten Merkmals kategorisieren, bewerten wir sie dem Bild entsprechend, daß wir von dieser Gruppe haben. Dieses angelernte Denkmuster zu hinterfragen und dadurch zu überwinden ist nicht durch die platte Aussage wir wären postgender getan.

Es ist ein Haufen Arbeit, aber er ist es wert, wenn wir die Gesellschaft in der wir leben verändern wollen. Und es wichtig darüber zu reden, die eigene Position zu hinterfragen, um sie überhaupt erstmal rauszufinden. Wir müssen uns damit auseinandersetzen, warum es bei den Piraten weniger Frauen, Ausländer, Behinderte (ich mag dieses Wort nicht), etc. gibt, was die Ursachen dafür sind und wie wir das ändern können, so wir es denn wollen. Wir sollten uns fragen, wie wir Menschen die nicht permanent vor twitter hängen an unseren Informationen teilhaben lassen, wie wir Menschen die Gehörlos sind in unsere Gemeinschaft integrieren, wie wir eine Beteiligung an liquid feedback für Piraten, die nicht perfekt deutsch können ermöglichen. Diese Themen sollten wir in Angriff nehmen und die Umfrage des Kegelklubs ist ein Anfang in diese Richtung. Es ist ein Anfang, der sich mit der Genderdebatte beschäftigt, ich hoffe es werden zukünftig ähnliche Projekte zu anderen Themen kommen. Genug Leute sind wir ja jetzt. ;)

P.S. Da ist irgendwo son flattr dings

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Ursprünglich am 11. Dezember 2011 06:13 auf http://fast277.wordpress.com/2011/12/11/66/ veröffentlicht

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