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BizarrOmeter

 

Symbolbild: BizarrOmeter CC-BY osirisfreunde

 

 

BizarrOmeter, das: Gerät zur Messung der Groteskizität der Gesammtsituation. Die Anzeige gibt diesen Wert in der Einheit Kafka (.K) aus. Frühere Einheiten waren Megafnord (M.fn) und Diskord (5). Die Einführung der aktuell gültigen Einheit .K erfolgte durch den diskordianischen Papst F0O0 (Pungenday, the 48th day of Chaos in the YOLD 3179).

 

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Rückschrittsforderung

Es ist gleich 03:37 Uhr. Eine gute Zeit einen blog post zu schreiben. Um Dinge aus dem Kopf zu bekommen. Und auch, um über Dinge nachzudenken.

 

Wir waren ja am Wochenende in Bochum. Programmparteitag. Wobei man das Gewicht des beschlossenen Programms, ja mal in Euro pro Gramm der ausgedruckten Variante umrechnen kann. Das bereitet dann auch Schmerz. Aber Lernen durch Schmerz ist ja unser Motto, also müssen wir da jetzt durch. Zuerst ist da natürlich der Tagungsort. Und die Technik, Personal, Strom und was sonst noch alles dazu gehört. Dann waren knapp über 2000 Teilnehmer vor Ort. Die hatten Reisekosten, Kosten für Unterkunft und Verpflegung. In meinem Fall sähe das dann so aus:

50 Euro für den Bus

144 Euro für die Übernachtung

42 Euro für Essen (ja ich habe mir erlaubt ein kaltes Rumpsteak zu essen)

42 Euro Taxi (ich mußte u. A. eine Kiste Sternburg Export transportieren)

34 Euro anCnoc

10 Euro Mate und Bier

Das sind insgesamt 322 Euro. Davon kann ich in Berlin zwei Monate meine Miete bezahlen. Das ganze auf 300 abgerundet und mit 2000 multipliziert macht stattliche 600000 Euro. Plus die Halle. Sind wir bei knapp 620000.

Für den Preis kriegt man bestimmt auch einen gebrauchten Flugzeugträger. Der wär mir ja lieber gewesen, als diese Werbeveranstaltung dafür, warum wir lieber durch Schmerz lernen. Um nicht am Anfang der Chose einsteigen zu müssen, mache ich einen Zeitsprung. Es ist der 25.11.2012. 15:35 Uhr. Ich laufe durch den Saal in Bochum und sammle Unterschriften. Für einen Antrag. Eigentlich wollte ich 200 Unterschriften sammeln, aber die Antragskommission beharrte darauf, daß 15 Unterschriften reichen. Ich wollte die Tagesordnung dahingehend ändern, daß wir einen Antrag behandeln. Den zur ständigen Mitgliederversammlung. Der move die Tagesordnung zu ändern ist seit Bingen bekannt. Manchmal ist er auch sinnvoll. Bei wichtigen Anträgen. So haben wir es heute zum Beispiel endlich geschafft umweltpolitische Ziele für das Wahlprogramm zu beschließen. Oder mal über Zeitreisen zu reden. Ich hätte ja nicht gedacht, daß der Antrag auf Änderung der Tagesordnung angenommen wird, aber die Versammlung war zu 2/3 der Meinung, der Zeitreiseantrag solle behandelt werden. Ich war auch etwas überrascht, daß jemand den Antrag gestellt hatte. Ich selbst hatte den gleichen Antrag auch gestellt, aber dazu ist ein weiterer Zeitsprung notwendig.

Es ist der 24.11.2012 13:05 Uhr. Wir tagen seit über drei Stunden. Ich habe 15 Unterschriften. Und eine Begründung. Wir hatten zu dem Zeitpunkt einen Programmantrag behandelt. Und nicht angenommen. Dafür schon diverse GO-Antragsstürme. Ich wollte der Versammlung sagen, daß ein Arbeiten in dem Tempo ineffektiv ist und unsere einzige reele Chance zur Bundestagswahl ein Wahlprogramm zu haben, entweder “weniger GO-battle, mehr Programm” oder Zeitreisen sind. Zeit ist nämlich ne komische Sache. Auf dem Parteitag zum Beispiel kostet jede Minute Geld. Zeit, die wir dafür nutzen über Anträge zu diskutieren. Man kann diese Diskussion auch vorher führen. Weil man vorher (manchmal) Zeit hat. Zeit, um Anträge zu lesen. Verbesserungsvorschläge zu machen. Für und wider eines Antrags zu diskutieren. Das haben wir zwar mit liquid feedback, aber wir nutzen es nicht effektiv. Dafür diskutieren wir Anträge, die wir grad erst gelesen haben (ja meine Kritik an der Versammlung, gilt auch für mich selbst). Wir verfolgen parallel Mailinglisten, Twitter, das Wiki und andere Kanäle. Das Antragsbuch zu lesen schaffen wir aber nicht. Wir singen die Mär der Basisbeteiligung, aber treffen wichtige programmatische Entscheidungen in 20 Stunden Programmparteitag pro Jahr? Klar wir mieten Riesenhallen, damit alle reinpassen. Ich hätte trotzdem lieber den Flugzeugträger. Nautische Metaphern und Parteitage außerhalb der 12-Meilen-Zone. Und man kann direkt mit dem Flugzeug anreisen. Das Problem mit dem Partyschiff besteht auch nicht mehr. Alles TipTop. Das Problem, daß Parteitage und erhöhter Redebedarf bei einer Trolldichte von 1% nicht skalieren, wissen wir seit Bingen. Das war der Parteitag, wo wir für zwei Personenwahlen einen Tag gebraucht haben. Und der erste dezentrale Parteitag. Mit #bptcamp für die Leute mit weniger Geld.

Nun wird seit einer Weile Beteiligung online diskutiert. Weil wir erkannt haben, daß wir was brauchen, um zwischen den wenigen Stunden Parteitag, zu erfahren, was die Basis so denkt. Welche Themen wir behandeln wollen. Klappt in Berlin ganz gut. Aber Berlin ist ja nicht der Rest der Welt und deswegen diskutieren wir seit 2010 über liquid feedback. Gegenargumente sind die unübersichtliche Oberfläche. Ich finde facebook unübersichtlicher. Die raue Art der Befürworter. Ja, kann man kritisieren, aber ist das tool deswegen schlecht? Die fehlende Relevanz. “Da machen ja nur n% der Mitglieder mit. Das ist nicht die Meinung der Basis.” “Stimmt, weil alle meckern, statt es zu benutzen.” MacGyver benutzt ja auch keine Schweizer Messer, weil die so rote Plaste außen drum haben. Und das passt farblich nicht zu seinen Jeans. Oder so.

Und dann wird nochmal OnlineBeteiligung diskutiert. Das geschieht immer auf Parteitagen. Immer. Jedesmal, wenn ein Antrag das Thema liquid oder OnlineBeteiligung (ständige Mitgliederversammlung) eingebracht wird. Leider bringen die Kritiker keine besseren Anträge ein. Denn sonst hätte man ja diskutieren und dann den geileren Antrag beschließen können. Das wär kinderleicht. Hätte, hätte, Fahrradkette. Passiert halt nicht.

Was und schnurstracks wieder zum 25.11.2012 führt. Es ist 15:40 Uhr. Der Zeitreiseantrag wird behandelt. Die Halle jubelt. Ich gehe auf die Bühne und erkläre der Versammlung, daß sie eine perfekte Persiflage ihrer eigenen Zerkratztheit ist. Und das wir dringend eine ständige Mitgliederversammlung brauchen. Im Protokoll liest sich das so:

Ich habe einen Antrag gestellt, dass wir die Zeitreisetechnologie entwickeln in den nächsten zehn jahren, das wird uns ermöglichen, dinge wie sie hier passiert sind, zu fixen. Wir haben die Möglichkeit, eine Partei zu werden, die vor dem Parteitag die ANträge ließt, versteht und beschließt. Das ist hier nicht passiert. Wir haben für 20kEUR eine Werbeveranstaltung gemacht, warum diese ???? ich hoffe beim nächsten BPT gibt es einen guten Antrag zur ständigen Mitgliederversammlung.

2012-11-25 15:42:44

Rufe.

2012-11-25 15:42:46

Antragsteller: Der Antrag ist selbsterklärend.

2012-11-25 15:42:53

Simples Ding. Zwei Minuten Zeit gebraucht. Zurück zum Tisch. Weil ich nicht erwartet habe, daß da irgendwer ans Mikro geht. Dann folgt ein Antrag auf Meinungsbild, wer dem Antrag zustimmen würde. Meinungsbild deutlich positiv. Ich hätte das auf 2/3 geschätzt. Und zack: alle rennen zum Mikro. Der Versammlungsleiter so: “Ich möchte die Anwesenden 2000 Piraten bitten, sich nicht alle auf der Redeliste einzureihen, so viele Argumente gibt es garnicht.” Die Versammlung so: trololo. Es kommen zehn Redebeiträge und dann endlich die erste Frage. Zwischendurch kamen auch Vorwürfe, ich hätte einen Spaßantrag gestellt. Und ich möge doch der Partei Die P.A.R.T.E.I. beitreten. Weil Doppelmitgliedschaften ja kein Problem sind. Werde wohl mal die Satzung ändern müssen, um in mehr als zwei Parteien Mitglied zu sein. Das wär schon geil. Egal, ich schweife ab. Irgendwann erklären mir Piraten, wieviel Geld sie grade am Mikro verplempern, um mir zu sagen, daß Zeit aufm #bpt Geld kostet. Und machen mich dafür verantwortlich. Unmöglich sei das. Das BizarroMeter schlägt leicht aus. Es gab noch ein Meinungsbild, ob man mich umstimmen könnte. Irgendwann wird auch abgestimmt. Ich würde sagen knapp 50% dafür. Es ist 15:55 Uhr. Die Versammlung ist nach 15 Minuten Zeitreisediskussion deutlich entspannter. Nach knapp sechs Stunden Versammlung war das für viele eine sehr willkommene Diskussion. Ich bekam viel positives feedback von Menschen vor Ort. Wäre er angenommen worden, hätte jede unser Programm gekannt.

Was hat uns das alles gebracht? Wir haben hoffentlich was gelernt. Wir brauchen schnell einen guten Antrag zur Beteiligung der Mitglieder, bei dem Anträge länger als 15 Minuten diskutiert werden können. Wir werden von Teilen der Bevölkerung ernst genommen, gerade weil wir auch mal über “undemokratischen Unsinn”, wie Zeitreisen oder ständige Mitgliederversammlungen diskutieren. Wir können die ständige Mitgliederversammlung gern auch per Urwahl abstimmen. Wir können entscheiden, ob wir ne Vorbereitung, mit vorher stattfindender online-Diskussion aller Mitglieder, zur Erstellung einer Konsensliste von Anträgen denen mehr als 2/3 der Mitglieder vor dem BPT zugestimmt haben. Oder ob wir das mit den Programmparteitagen komplett online machen. Und das muß möglichst bis Februar 2010 fertig sein. Wir brauchen keine online-Mißtrauensvoten gegen unseren BuVo, wir brauchen ein geiles Programm für die Bundestagswahl. Und wenn wir das aktuelle Antragsbuch auch nur annähernd bis zur Wahl durcharbeiten wollen, ist eine ständige Mitgliederversammlung alternativlos. Denn Politik findet im Parlament statt. Und da wollen wir rein und die Basis an Bundespolitik beteiligen. Auch nach der Erstellung des Programms. Oder wir verfahren weiter, wie bisher. Wir nutzen Parteitage, eine Form der politischen Willensbildung, die schon seit 100 Jahren unverändert ist. Das ist dann allerdings ein Rückschritt. Und Rechner auf jedem Tisch machen das nicht einfach zu Politik2.0.

 

P.S. Danke euch allen, daß ihr so zahlreich für PA582 gestimmt habt. Das macht mir Hoffnung. :) Und danke an den Antragsteller, der es möglich gemacht hat, daß PA582 behandelt wurde. Und ein dickes Danke an Anatol, der den Antrag geschrieben hat, weil ich arbeiten mußte und die deadline zur Einreichung nahte.

 

update: Der Zeitreiseantrag ist jetzt auch hier zu sehen.

 

 

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Hinterschwörung

Klausur (von spätlat. clausura „Verschluss“, von lat. claudere „schließen“) ist ein in Klöstern abgetrennter Bereich, in den sich Mönche eine gewisse Zeit zurück zogen. Sie ist ein Substitut für die Wüsteneinsiedelei der Eremiten. Klausur ist auch eine Form der Prüfung. Hefte raus, Klassenarbeit. Die Klausur, von der ich hier schreiben werde, kommt der ersten Wortbedeutung näher. Doch eigentlich müssen wir noch etwas in der Zeit zurück gehen.

Im Februar 2011 fand eine LMV statt. Da wurde ein neuer Landesvorstand gewählt. Eberhard stellte damals allen Kandidaten die Frage, ob sie bereit wären, an einer Vorstandsklausur teilzunehmen. Da wir eine bevorstehende Wahl hatten und der zu diesem Zeitpunkt amtierende LaVo nicht ohne persönliche Differenzen arbeitete, verstand jeder sofort, warum ein Kennenlerntreffen wichtig ist. Im April fuhren wir gemeinsam ein Wochenende weg und ich bin der Meinung, daß es für die gute Zusammenarbeit des 2011er LaVo eine wichtige Voraussetzung war. Ich übernahm die Frage Anfang 2012 und stellte sie allen Kandidaten. Alle bejahten, die Frage, eine Klausur fand bis zu Hases Rücktritt allerdings nicht statt. Ich weiß nicht, ob eine Klausur, den Rücktritt Hases verhindert, den jetzigen LaVo zusammengeschweißt hätte, meine Glaskugel sagt dazu nix.

Wovon reden wir denn eigentlich? Ein Wochenende, wo die gewählten Kandidaten wegfahren, um sich auf persönlicher Ebene kennenzulernen. “Aber wir kennen uns doch.” könnte man erwidern. Ja, das ist richtig, aber wir kennen uns meist nur von Squad- und Crewtreffen, Parteitagen, etc. Nicht alle treffen sich auch außerhalb des Parteikontext.  Da so ein LaVo auch schon wenige Stunden nach der Wahl einsatzbereit sein muß, kenne ich noch von 2011. Unser Stichwort damals war Montagskrise. Es gab davon in den ersten Wochen unserer Amtszeit mehrere. Doch warum schreibe ich das alles?

Es wird im Moment viel geschrieben. Vor allem auf der Berliner Mailingliste der Piraten. Unter anderem auch über die Klausur. Da ich die Frage zur Klausur gestellt hatte, setzte Katja ein doodle auf, um zeitnah einen Termin zu finden. Dieses doodle wurde nach kurzer Zeit getrollt. Man trug meinen und andere Namen doppelt ein. Nicht sehr originell und auch nicht besonders witzig. Daraufhin machte Gero ein pad auf und schickte den link an alle Kandidaten. Ein Kandidat schrieb daraufhin ein “Tranzparenzmail” an die Berliner ML. Er unterstellte, ein ausdoodlen der Klausur würde die Entscheidung der LMV vorwegnehmen. Wir würden davon ausgehen, daß wir sowieso gewählt würden. Mein Lieblingssatz ist “Und zu der Frage, ob man eine Vorstandsklausur braucht, um sich kennen zu lernen, hätte ich eine Menge zu sagen, aber das wäre nicht für zarte Ohren bestimmt.” Oh meine zarten Öhrchen. Nein, im Ernst. Ich hätte gern gehört, was Michael zu sagen hat. Ich bin da ja nicht so zimperlich. Moni interessierte das wohl auch und sie stellte die Frage, bekam aber nur Gegenfragen und stellte die Frage daraufhin noch einmal. Bis jetzt kam keine Antwort.

Es wird so getan, als wäre eine Vorstandsklausur eine intransparente Hinterschwörung, auf der irgendwelche Dinge ausgekungelt werden. Und es wird gefragt, ob ein Kennenlernen der Kandidaten, nicht auch in größerem Rahmen stattfinden könnte. Meiner Meinung nach geht es nicht, daß sich Menschen auf persönlicher Ebene kennenlernen, wenn sie von 30 anderen dabei beobachtet werden. Und es soll ja auch nix wichtiges auf der Klausur besprochen werden, sondern die gewählten Kandidaten sollen zusammen einkaufen, kochen, essen, trinken, wandern, was auch immer ihnen in den Sinn kommt. Es geht darum einen Raum zu haben, wo man sich außerhalb des Parteikontext trifft. Keine Piratendinge bespricht, keine Planungen, just simple Zusammensein.

Witzigerweise macht auch die BVV Mitte eine Klausur. In Brandenburg. Und natürlich gab es auch da sofort ne “Tranzparenzmail” von Michael. Es wäre eine Seuche. Und Simon maulte, weil eine Klausur ja fast so schlimm wäre, wie #dasCamp. Ich lachte hart. Maul- und Klausurenseuche.

Viele Grüße von eurem #herrnf0o0rlaub, der sich gerade in Polen in Klausur befindet. Oder rereat wie man bei uns Buddhisten sagt. Aber das ist angeblich Religion. Und Privatsache. ;)

 

 

P.S. Eine gute Initiative des jetzigen LaVo sind die jour fixes, die in die gleiche Richtung gehen, wie die Vorstandsklausur

 

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professional idiots

Es wird gewählt. Im September. Und es wird gewählt. Auch im September. Oder im Oktober. Außer der V-Fall tritt ein. Oder der Bundestag löst sich vor Ende der Legislaturperiode auf.  Bis zur ersten Wahl sind es noch 40 Tage. 40 Tage in denen wir uns Gedanken machen müssen, was wir uns von einem Landesvorstand erwarten. 40 Tage in denen wir ein möglichst gutes Team finden müssen, daß die Tagesgeschäfte des Landesverbands organisieren und gleichzeitig eine Bundestagswahl organisiert.

Es gab vor kurzem von Katja einen Testballon zu der Fragestellung, was wir vom Vorstand erwarten. World of Wünschcraft. Es scheint, als will der Landesverband einen Vorstand, der auswendig aus der Satzung zitieren kann, im Mondlicht alle liquid-Initiativen rückwärts singt, keinesfalls für den Bundestag kandidiert, Schuld ist und auf jeden Fall für den Bundestag kandidiert. Außerdem soll er kratzfest, mobbingresistent, leicht abwischbar und finanziell gut versorgt sein. Natürlich soll der Vorstand machen, daß sich alle lieb haben und viel mehr Zeit für Parteiarbeit investieren. Der Vorstand muß Tilden in Schönschrift können und sich nicht in politische Differenzen innerhalb des Landesverbandes einmischen. Dazu noch eine Prise Privatleben und alles wird gut. In dieser Aufzählung fehlt noch eine Rolle Gaffa, ein Schweizer Taschenmesser und die Pläne zur friedlichen und schonenden Besiedlung des Mars. Und ein Privat-Jet.

Jetzt fragt euch mal, warum da keiner kandidiert. Finden wir genügend Menschen, die gewillt sind, sich auf diesen Job zu bewerben? Bis jetzt sieht das eher schlecht aus. Potentielle Kandidaten sehen sich teilweise unter dem Verdacht, daß sie sich nur in den Vordergrund drängen wollen, weil sie auf ein Bundestagsmandat schielen. Und kandidieren nicht. Andere sind nicht “bekloppt” genug, um für den Job anzutreten. Und unbekannte Kandidaten haben nicht mehr viel Zeit sich vorzustellen. Dabei war die Idee einer LMV im September, daß Leuten die Möglichkeit gegeben wird, darüber nachzudenken, ob sie kandidieren wollen. Und dem Landesverband die Möglichkeit zu geben alle Kandidaten kennen zu lernen. Wir haben im Moment in Berlin knapp 2000 stimmberechtigte Mitglieder. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, daß da nicht der eine oder andere geeignete Kandidat dabei ist.

In den Augen einiger Piraten wäre es super, wenn der große Vorsitzende wieder kandidieren würde. GA kandidiert und die Welt ist gerettet. Auch ich würde mich über seine Kandidatur freuen, kenne aber auch die Gründe, warum er beim letzten Mal die Kandidatur zurückgezogen hat. Viele dieser Gründe sind immer noch aktuell. Und wir führen die Debatte, was wir vom Vorstand erwarten zu wenig. Von der Debatte, wie wir die guten Kandidaten für unsere Landesliste finden, fang ich hier besser nicht auch noch an.

Wir müssen diese Debatten führen. Wir müssen in den nächsten 40 Tagen Kandidaten nicht nur “hochnotpeinlichen Befragungen” aussetzen, sondern ihnen klarmachen, daß der Landesverband hinter ihnen steht, wenn sie gewählt werden. Daß wir zusammenarbeiten, um im nächsten Jahr genauso einen geilen Wahlkampf hinlegen, wie 2011 und 2009. Nur dann sind auch Piraten bereit für den Scheiß zu kandidieren. Und wir brauchen ein Team, das zusammenarbeitet, nachdem es sich kennengelernt hat.

 
Nachdem ich wegen des Kandidatenmangels ein wenig auf twitter genervt habe, fanden sich einige Menschen, die sagten, daß sie kandidieren, wenn ich auch kandidiere. Also habe ich mich im wiki eingetragen und fand in kurzer Zeit auch Piraten, die meine Kandidatur unterstützen. Da ich schon im Vorstand war, kenne ich die Aufgaben. Aber ich habe den Job beim letzten Mal aber alles andere als perfekt gemacht. Auch wenn es euch vielleicht überrascht, ich bin nicht euer Superspitzenkandidat. Bei Überlastung habe ich Aufgaben nicht abgegeben und so blieben Dinge wie die Technik in der P9 liegen. Würfel war gestern der erste, der mich gefragt hat, ob ich noch richtig ticke, wieder zu kandidieren (Danke Würfel, ich hatte das viel früher erwartet).

Ein Vorstandsamt neben einer 40 Stundenwoche und der Arbeit in der BVV ist halt kein Pappenstiel. Da kommen schnell mal 80 Stunden die Woche zusammen. Ich werde das machen, wenn ich gewählt werde, freue mich aber über jeden Kandidaten, der ein besserer Vorstand ist, als ich es sein werde. Und ich werde maximal 20 Stunden pro Woche für Vorstandsarbeit aufwenden.

 

Fazit oder tl;dr

 

Wir wählen in knapp fünf Wochen und haben noch viel zu tun. Wir brauchen Kennenlerngespräche, kein Kandidatengrillen. Offene und ehrliche Diskussionen mit den Kandidaten. Und vor allem gute Leute, die Lust haben, mit diesem Landesverband eine Bundestagswahl zu rocken.

 

Schaffen wir das nicht bis Mitte September, übergeben wir halt an Quimby. Der kann das.

 

P.S. Ich habe die Idee mit dem Unterstützerbotnet mal nem update unterzogen. Jede Stimme des Antibotnet gleicht eine Stimme des Unterstützerbotnets aus.

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Return of Penunsen

Ich kann mich noch erinnern, als ob es gestern wär. Es war ein sonniger Herbstnachmittag. Wir hatten die Wahl gewonnen. Nun war alles anders. Wir hatten das Parlament geentert, um mal eine nautische Metapher zu bemühen. Und da führten wir die Mandatsträgerabgabendebatte das erste Mal. Es sollte nicht das letzte Mal sein. Was war geschehen? Was hatte sich konkret geändert?

Einige von uns hatten plötzlich ein Mandat. Deswegen waren wir ja angetreten. Und plötzlich hießen die Zahlungen, die Piraten an die eigene Partei leisten, Mandatsträgerabgaben, sofern sie regelmäßig gezahlt werden und die zahlenden Piraten Mandatsträger sind. Mitgliedsbeiträge heißen natürlich auch weiterhin Mitgliedsbeiträge. Aber für Mandatsträger heißen Zahlungen an die eigene Partei, die über den Mitgliedsbeitrag hinausgehen, plötzlich nicht mehr Spenden. Sowas verwirrt natürlich und es gab sofort eine mehr oder weniger lustige Diskussion. Man hörte “Ich will das nicht.” und lustige Ideen, die Gelder über andere Personen der Partei zuzuführen. Großes Kino.

Wenn man als Mandatsträger keine Mandatsträgerbeiträge bezahlen will, zahlt man halt nur den Mitgliedsbeitrag. Möchte man der Partei aber mehr spenden, geht das, heißt aber halt “gefährlich”. Handelt mit es.

Dann gab es noch die Forderung, Mandatsträger müßten aus verschiedensten Gründen etwas an die Partei geben. In anderen Parteien sei das Usus. Manche forderten Fraktionsbeschlüsse, wieviel die Mandatsträger “spenden” sollen. Nun basiert eine Schenkung, was die Spende eigentlich ist (außer man will sie steuerlich geltend machen), auf Freiwilligkeit. Natürlich ist es super, wenn ich neben meiner investierten Freizeit auch Geld an die Partei spende. Es gibt genügend Stellen, wo wir Geld brauchen können. Und daß das auch ohne Debatten über den Spiegel funktioniert, zeigen diverse pledges und das Projekt 100k. Aber ich selbst entscheide, wem ich in welcher Höhe Geldgeschenke mache. Es bleibt meine Entscheidung, ob ich für Minenräumung in Bürgerkriegsländern, Brot für die Welt, Vereine zur Förderung freier Software oder an eine Partei spende. Und wenn ich beschließe, es an eine Partei zu spenden, entscheide ich, ob es die FDP oder die APPD ist. Und ich entscheide über die Höhe der Schenkung.

Unsere Satzung empfiehlt mir einen bestimmten Prozentsatz und ich kann mich entscheiden, den zu zahlen. Oder mehr zu zahlen. Diese Entscheidung habe ich so wie jedes andere Parteimitglied.  Im Moment zahle ich die empfohlenen 12€ nicht, werde das aber umgehend nachholen. Prokrastination und kein online-banking sind eine furchtbare Kombination. Wieviel ich dann gespendet habe, werde ich euch natürlich umgehend auf meiner “Gläserner Politiker”-Seite mitteilen. Wahrscheinlich werden es 13,37€ monatlich. An das Projekt 100k habe ich grad 50€ gespendet.

 

 

Können wir diese Zombiediskussion jetzt bitte wieder ruhen lassen. Wenigstens bis nach der nächsten Wahl. Coz it eats BRAAAAIIIIIINNNNS.

 

 

edit 4 typo

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GastBeiträge

Hier mal ein Gastbeitrag vom @Tharon_Pirat zur Beitragserhöhung, die wir in #neumonster beschlossen haben.

 

 

Das soziale Dilemma mit dem Mitgliedsbeitrag.

Wir haben auf dem Parteitag 2012.1 den Beitrag erhöht. Nicht um viel, nur um 12€ pro Jahr. Für viele Piraten wird das keinen großen Unterschied machen, auch für mich nicht, da ich, so wie
viele andere auch, schon jetzt mehr spende als die jetzt neuen 48€ pro Jahr. Trotzdem habe ich aus Gründen dagegen gestimmt.

Es gibt bei den Piraten auch die Möglichkeit nur 12€ pro Jahr zu zahlen, ganz unbürokratisch. Dennoch muss man diesen Antrag stellen. Ist ein formloser Antrag auf Beitragsminderung der nicht überprüft wird wirklich so unproblematisch? Ich glaube nicht.

Ich finde das der Mitgliedsbeitrag so hoch sein sollte, dass er auch für die Personengruppen bezahlbar bleibt, die derzeit auch eine Beitragsminderung beantragen können. Ich fände es schade wenn sich jemand auf Grund seiner finanziellen Situation als Unterstützer 2.Klasse fühlt, da er sich keinen “normalen” Mitgliedsbeitrag leisten kann.
Der Antrag auf Beitragsminderung sollte daher niemandem aufgezwungen werden, er sollte aber bestehen bleiben um in größter finanzieller Not dennoch sein Stimmrecht nicht zu verlieren.

Wieso eine Beitragserhöhung gefordert wurde ist ganz klar, die Partei wächst und die Anforderungen an Parteitage und Infrastruktur generell steigen. Dies ist meiner Meinung nach aber nicht der Hauptgrund warum die Beitragserhöhung gefordert und 67,3% der an der Abstimmung beteiligten dafür gestimmt haben.

Vor diesem Parteitag hätte ich mir eine längere (oder überhaupt eine) Diskussion gewünscht. Eine Empfehlung durch LQFB hätte auch nicht geschadet, da dort auch diejenigen abstimmen können, die sich die Reise zum Bundesparteitag nicht leisten konnten. Ich möchte hier nicht das Thema Parteitag der (finanz.) Privilegierten befeuern, aber ein fader Beigeschmack bleibt trotzdem.

Sehr viele Piraten zahlen ihren Mitgliedsbeitrag und spenden zusätzlich noch z.B. zweckgebunden für Parteitage, Aktionen oder zur Finanzierung ihrer Gliederung. Wenn man nun mehr zahlt als „gefordert“ denkt man natürlich, es wäre doch schön wenn andere Piraten das auch tun würden. Wenn ich mein direktes Umfeld betrachte und was ich so auf dem Bundesparteitag gehört habe, tun sie das auch und werden es sicher auch weiter tun.

Einer Erhöhung des Beitrags stimmt man nicht zu weil man selbst mehr zahlen möchte (das kann man ja auch so), sondern weil alle anderen auch mehr zahlen sollen.

Jeder gibt soviel er kann.
Vertraut euch Piraten.

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42

Dies ist dann wohl mein erster blog post zu NeuMonster. Und der ist eher schnell geschrieben, weil ich in weniger als fünf Stunden das Zimmer 116 verlassen muß. Das ihr meinen Antrag auf Änderung der GO zur Aufnahme des Antrags auf ponytime abgelehnt habt, nehm ich euch ein wenig krumm und werde in einem eigenen blog post ausführen, warum der sinnvoll ist. Aber worum geht es in diesem Text. Es geht um die Beutragserhöhung. Wir hatten verschiedene Anträge zu Erhöhungen. Und ich sehe auch die Gründe, warum wir mehr Geld für die Partei, vor allem für den Bund brauchen. Allerdings finde ich es gut, die Beiträge möglichst gering zu halten, um auch Mitgliedern mit geringem Einkommen eine aktive Teilnahme (auch an Parteitagen) zu ermöglichen. Wer mehr verdient kann gern mehr geben. Wir wollen, daß Menschen, die unsere Positionen vertreten, bei uns mitmachen können. Wir wollen, daß jeder zum BPT kommen kann. Und es gibt Menschen, die verdienen weniger. Denen ermöglichen wir eine Übernachtung in der Halle, gegen eine Spende. Denen ermöglichen wir, wie es Faxe regelmäßig macht Busse. Jetzt wurde der Beitrag erhöht. Im ersten Durchgang wurde der Antrag in offener Abstimmung abgestimmt. Erst wurde mit approval, abgestimmt, welche beiden der insgesamt sechs Anträge konkurrieren, dann wurde bei dem Antrag, der dabei eine Mehrheit erhielt, ermittelt, ob er eine 2/3 Mehrheit erhält. Die Wahlleitung sah diese 2/3 Mehrheit. Nun hätte man im Zweifel den Antrag stellen können, die letzte Abstimmung auszuzählen. Stattdessen wurde eine Wiederholung der Abstimmung(en) in geheimer Wahl gefordert. Wir wiederholten also alle drei Abstimmungen. Erst approval, dann den Gewinner ermitteln und dann noch die 2/3. Ich bezweifle, daß der Antragsteller der Wiederholung, sich des Prozederes bewußt war, was er mit dem Antrag ausgelöst hat. Hat ja auch nur “kurz” gedauert und uns zum Glück 0,6% über die 2/3 Mehrheit gebracht.Wir wählen so oft, bis uns das Ergebnis paßt. Jetzt kostet es halt 48 Euro Warum 42 Euro keine Mehrheit bekommen hat, erklärt ihr mir am besten mal, bei ner Diskussion, um ponytime.

Auf jeden Fall gibt es halt Leute, die sich für unter fünf Euro, den Arsch auf Arbeit aufreißen und nebenbei ihre Freizeit für uns aufwenden. Die sollten mitmachen können, ohne Beitragsminderung zu beantragen. Gleiches gilt für Hartz$ Empfänger.

 

Vielen Dank und gute Nacht

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w00t

 

Da nimmt man sich mal n paar Wochen frei, weil man nicht mehr Mitglied im Landesvorstand ist und widmet sich nicht mehr täglich den großen und kleinen Shitstorms, die unwiderruflich folgen, wenn einer meiner Parteikollegen was Dummes sagt, und kriegt aber trotzdem mit, daß sich da wieder was zusammenbraut. Ursache hierfür ist wohl primär eine Entscheidung des Bundesschiedsgerichts zur Causa Thiesen. Den Namen Bodo T. hörte ich zum ersten mal im Bundestagswahlkampf 2009. Damals war ein Interview einiger Mitglieder des damaligen Bundesvorstands mit der Jungen Freiheit der Auslöser für die mediale Auseinandersetzung mit der mangelnden Abgrenzung der Piraten gegen rechte Ideologien. Man habe nicht genug Zeit gehabt sich mit dem Blatt auseinanderzusetzen, war damals die Erklärung für das Interview. Eine kurze google-Suche brachte mich zwar damals schnell zum wikipedia-Artikel zur Jungen Freiheit, aber wenn man keine Zeit hat, findet man den eventuell nicht so schnell. Damals wurde im Zusammenhang mit dem Interview auch Bodo T. und seine umstrittenen Äußerungen zum Holocaust und seine Theorien zum Angriffskrieg auf Polen erwähnt. Das führte dazu, daß unsere  Plakate in Friedrichshain teilweise nicht so lange hingen, wie wir das gehofft hatten und wir neben dem Vorwurf eine Kinderschänderpartei zu sein, auch als rechtsoffene Partei beschimpft wurden. Aber da ja bei uns in der Satzung steht “Totalitäre, diktatorische und faschistische Bestrebungen jeder Art lehnt die Piratenpartei Deutschland entschieden ab” war das kein Problem.

Zweieinhalb Jahre später fiel nun eine Entscheidung des Bundesschiedsgerichts. Diese lehnte den Antrag auf Parteiausschluß ab. Nicht etwa wegen eines Formfehlers, wie es hier und da in der Presse stand, sondern weil wegen der Äußerung Thiesens schon eine Ordnungsmaßnahme verhängt wurde. Dies wurde leider vom zuständigen Landesschiedsgericht während der Jahre, als das Verfahren bei denen lag nicht bemerkt und erst durch das Bundesschiedsgericht festgestellt.

Ein bedauerlicher Einzelfall könnte man sagen. Und eine Verkettung unglücklicher Umstände in Zusammenhang mit schwerwiegender Inkompetenz. Wenn es nur ein Einzelfall wäre. Wenn da nicht die ganzen anderen Einzelfälle wären. Und die ewigen Relativierungen, daß XY in Wahrheit ja kein Nazi sei und die Äußerungen ja nicht so gemeint. In dieses Schema fiel dann auch z.B. der Antrag eines Piraten, der zu dem Zeitpunkt Listenkandidaten für die Landtagswahl in NRW BaWü war, eine Nazidemo zu unterstützen, als Protest gegen eine Entscheidung des Bundesvorstands an einer Demonstration für das bedingungslose Grundeinkommen teilzunehmen. Das führte sofort zu Forderungen nach Ordnungsmaßnahmen. Oder der Pirat Boris T. der der Meinung war eine Atombombe auf den Gaza-Streifen wäre eine gute Idee. Der war zu dem Zeitpunkt Kreisvorstand in München. Aktuell schaffte es Boris T. sogar in die Abendzeitung München. Vorsicht der Link geht wirklich dahin! Aber er erklärt das wäre halt so, auf den Mailingliste ist der Ton halt rauh. Und wo gehobelt wird fallen Späne. m( Natürlich ist uns ja seit Stefan Koenig bekannt, daß wir nicht jeden einfach in Vorstände wählen sollten, der zwei Sätze fehlerfrei sprechen kann. Denn dann kann es passieren, daß man jemandem im Bundesvorstand hat, der Präventivangriffe auf souveräne Staaten fordert und nach seinem Austritt bei den Piraten das Parteienspektrum um fragwürdige Rechtsaußenparteien erweitert. Deshalb befragen wir ja seit unserem Bundesparteitag in Hamburg 2009, bei dem Koenig in den Vorstand gewählt wurde, alle Kandidaten für Ämter und Mandate sehr lange. Zum Beispiel in welchen Parteien, die denn vorher waren. Dumm nur, wenn einer der Kandidaten denkt eine Mitgliedschaft in der NPD wäre so etwas wie Privatsache und man könne die dann halt verschweigen. Dann passiert halt sowas wie der Fall Bahner. War halt ne Jugendsünde. Na dann alles halb so schlimm. Im persönlichen Gespräch sind die ja auch alle ganz nett und bestimmt keine Nazis. Und ann gibt es natürlich auch noch andere Einzelfälle, wie Seipt. Da wurde die rechte Vergangenheit nicht durch eigenes Offenlegen bekannt, sondern weil ihn seine ehemaligen “Freunde” verrieten. Wie gesagt alles bedauerliche Einzelfälle, wie auch der Vandersee. Der ist aber auch nicht rechts, sondern HardcoreLaizist.

Zum Bundesparteitag gibt es auch schon Anträge, die bestimmt irgendwer mit Wahrung der Meinungsfreiheit erklärt. Da geht es um Lehren aus dem Völkermord, Strafbarkeit der Leugnung von Völkermord zu beenden oder zurückgezogene Anträge zu Büchern erfolgloser Postkartenmaler, die dann als sonstige Anträge wiederauftauchen. Natürlich berichtet die Presse dann über gewisse mangelnde Abgrenzung nach rechts. Aber wir wären nicht bei den Piraten, wenn dann nicht sofort jemand was blödes sagen würde. Wie zum Beispiel heute, ein Mitglied des bayerischen Landesvorstands. Daß der bayerische Landesvorstand Mitglieder hat, die mit demokratischen Entscheidungen, wie dem Beschluß zum BGE , nicht umgehen können oder Mutti ihnen für den zweiten Tag in #offenbings zufällig die “Blauäugig Gutgläubig Einfältig”-Shirts rausgesucht hat und sie die deshalb anhatten, ist ja bekannt. Offiziell war das ein bewußt überzogener Protest, kennen wir ja vom Krohlas schon. Auf jeden Fall hat es einer der Helden in Shirts heute geschafft folgenden tweet abzulassen “Die #Piraten haben kein “Naziproblem”! Wir haben ein Problem mit Deppen, die uns ein Naziproblem unterschieben wollen.” Ja nee, schon klar. Ist alles von außen konstruiert. Die böse Systempresse will uns da was unterschieben, wegen des Wahlkampfs in Schleswig-Holstein und NRW. Ist ja nicht etwa so, daß wir uns nicht genug gegen rechts abgrenzen. Steht ja bei uns in der Satzung. Und weil wir ja post-gender sind, kommen bei uns auch keine sexistischen Sprüche vor. Und weil Marina ja Jüdin ist und im Bundesvorstand kann es bei uns auch keine rechten oder antisemitischen Tendenzen geben. Und dann kommt Hase in seinem blog mit Äußerungen, wie “Die letzte Partei, die mit „diese Leute da, gegen die müssen wir vorgehen“ einen Riesenerfolg erzielt hat, in Deutschland, das ist m.E. die NSDAP. Die hatten für alles einen Sündenbock. Die wussten genau: wenn man „diese da“ nur irgendwie loswird, dann wird alles gut!” und “Interessant ist schon, dass die Piraten die Wahlkampfmethodik, mit der die Nazis gerade Berlin erobert haben, gern kopieren (die Kiezspaziergänge, allerdings in Uniform, sind m.W. Goebbels Erfindung, auch wenn er die nicht so genannt hat), aber alles, was Nazis tun muss man natürlich kategorisch und komplett ablehnen.” Klar kocht das dann hoch. Und wenn dann noch der offene Brief einiger Berliner Piraten, die Hase kennen und sich, ob des scheinbar überforderten Landesvorsitzenden Sorgen machen, kommt eine anonymer wiki-Troll und verfaßt einen zweiten offenen Brief, in dem er bezweifelt, die drei Piraten würden Hase gut kennen und bezeichnet sie als Pack. Warum wundert es mich nicht, daß ausgerechnet Boris T. der Erstunterzeichner dieses Briefes ist. Und dann kommt die Mailingliste. Dort meldet sich plötzlich Stefan Koenig, das erste Mal seit seiner Zeit als Bundesvorstand und Pulveräffchen der “Mother of all Crews” Konrad Zuse, zu Wort. Er wirbt für seine neue Zeitung. Zeitgleich schwadroniert Simon Lange, seines Zeichens Kapitän der Konrad Zuse seit 2009, daß “Geschichte zu leugnen, durch die Meinungsfreiheit gedeckt sei“, in einem thread in dem es um die Äußerungen in Hases blogpost und deren Bezug zu einem bestimmten Teil der deutschen Geschichte geht, deren Leugnung in Deutschland eben nicht durch die Meinungsfreiheit gedeckt ist. Natürlich werden durch solche Äußerungen, wie auch die regelmäßig wiederkehrenden Diskussionen, in denen Simon L. das Demonstrationsrecht der Rechten durch Blockaden gefährdet sieht, weil die dann halt ihr Recht auf frei Meinungsäußerung nicht wahrnehmen können, auch Spinner wie von Tirpitz angelockt, die eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zu Demos in Wunsiedel in die Nähe der Rechtsbeugung stellen.

Und wenn dann Kandidaten für den Bundesvorstand Piraten, wie Bodo T. zum Austritt auffordern, um Schaden von der Partei abzuwenden, kommen andere gleich mit Mittelaltervergleichen. Der letzte Pirat der ausgetreten ist, um Schaden von der Partei abzuwenden, war allerdings auch etwas irritiert, als man ihm zum Wahlkampf in Berlin mitteilte, daß man auf die Hilfe von ihm gern verzichtet, was ja eigentlich auch der Sinn von Austritt ist. Das man halt nicht mehr mitspielt, statt wie Kaugummi an der Schuhsohle zu kleben.

Die Forderung einiger Piraten lautet nun, der Vorstand müsse klar Grenzen zeigen. Flache Hierarchien und “Bei uns hat die Basis das sagen” sind ja schließlich soooo 2009. Heute fordern wir klare Machtworte der Parteiführung. Eigentlich haben wir ja mal irgendwann 2009 gesehen, daß es schwierig ist, herauszufinden, was die Basis will und deshalb ein tool entwickelt, um das herauszufinden. Dieses tool wurde kurz danach von vielen Piraten, als das personifizierte Böse abgetan und damit brauchte man sich mit dem Problem der Basis nicht mehr auseinanderzusetzen. Jetzt haben wir halt Vorstände, die machen das schon. Die verbrennen zwar meist nach einer Amtszeit, aber wozu auch die Last auf mehrere Schultern verteilen. my ass. Jeder von uns hat das Recht den Mund aufzumachen, wenn irgendwelche Piraten der Meinung sind rassistische, sexistische oder andere Äußerungen zu tätigen. Das don’t feed the troll ist zwar schon und gut, aber, wenn die sich gegenseitig füttern fürn Arsch. Das gleiche gilt auch bei Verbrennung piratenkritischer Medien, Relativierung von sogenannten Einzelfällen, Mobbing derer, die das Problem ansprechen und irgendwelcher Fehlinterpretationen unserer Auffassung von Meinungsfreiheit.

Dieser blogpost wurde in einem Stück ohne Wut und ohne proof reading geschrieben. Und ich laß den jetzt so. Punkt.

update: link und Bundesland im Süden korrigiert und ein doppeltes Wort entfernt. Bild ergänzt

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PostwurfSpezial

Heute gehe ich zu meinem Briefkasten und was finde ich. Einen Brief. Ach nein, ein PostwurfSpezial. Absender ist Rainer Brüderle MdB. Lustig denk ich, was will denn der Brüderle von mir? Es ist doch grad kein Wahlkampf in Berlin. Also mach ich das Ding auf. Da steht, daß seit der Machtübernahme durch SchwarzGeld der schwarzgelben Koalition alles super läuft. Wir haben weniger als drei Millionen Arbeitslose*, ein milliardenschweres Sparpaket und Schuldenbremse. Und man plant einen ausgeglichenenHaushalt bis 2014. Und daß wir unsere Schulden abbezahlen müssen, da das was wir jetzt für Zinsen ausgeben auch Kleinsparern, Geringverdienern und Rentnern weggenommen wird. Die FDP hat wohl gemerkt, daß ein Großteil der Bevölkerung keine Hotelbesitzer sind.

Und man will mich als DialogPartner. Das ist wohl so etwas, wie Bürgerbeteiligung, Mitmachpartei und so. Die Piraten scheinen damit grad ziemlich erfolgreich zu sein. Im Gegensatz zur FDP, die es in Berlin in mehreren Sonntagsfragen auf 0% schaffte. Man sagt mir, ich könne mich bei deren Mitmachportal anmelden. Oh ein online-Portal. Richtig modern. Leider ist den Spezialisten der FDP die Existenz von SSL entgangen. Aber es gibt ja die beigelegte Postkarte. Dort versichert man mir, der Schutz meiner Daten sei der FDP wichtig, man gebe die Daten nicht weiter und verwende sie ausschließlich zum Dialog mit mir. Ich schätze der Brüderle hält persönlich allen Postmitarbeitern und den Beschäftigten irgendwelcher Subunternehmen die Augen zu, wenn die meine Postkarte zum Platz der Republik transportieren. Solchen PostwurfSpezialisten traue ich selbstverständlich auch die Lösung der Wirtschaftskrise zu.

Eine kurze Erwähnung der Postwurfsendung auf twitter, zeigte mir, daß ich nicht der einzige war, der sowas im Briefkasten fand. Anscheinend ist das Ding berlin- oder bundesweit verschickt worden. Schön zu sehen, was die FDP so mit den Steuergeldern treibt. #roflcoptergtfo

 

* Der Fakt, daß die Zahl der Arbeitslosen in den vergangenen drei Monaten mit einer drei beginnt und nicht überraschend auf 300.000 gesunken ist, braucht hier nicht weiter zu stören. Er passt ins Bild.

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Antiemetikum

Ich sitze hier und kotze. Primär wohl, wegen des Essens von gestern Nacht. Aber auch weil ich gesiezt wurde. Im Netz. Auf twitter. Und bevor ihr fragt, nein nicht vom @diktator

 

Doch fangen wir mal, von vorn an. Es begann mit dem lustigen Blogpost “Liebe Piraten: Fickt euch. Aber nicht mich.”  Dort wird eine Art Antwort auf die 101 Piraten für ein neues Urheberrecht gegeben. Der Autor beschreibt die Häufigkeit seiner Auftritte, daß er was für das öffentlich-rechtliche gemacht hat, davon auch einen wichtigen Teil des Lebensunterhalts bestritt, aber teilweise auch auf staatliche Leistungen angewiesen war, weil als Freischaffender auch mal weniger verdient. Der Versuch mit flattr etwas einzunehmen, hat bei ihm bis dato nicht den erwünschten Erfolg gebracht. Trotzdem macht er immer die lustigen “Norbert erklärt die Welt”-Clips bei RadioEins und dafür könnt ihr ihn auch mal flattrn. Einfach, um ihm zu zeigen, daß das eine Option sein kann. Der einzige Mensch, den ich kenne, der von flattr leben kann, ist Tim Pritlove. Aber der zählt wohl nicht, da er ja podcasts macht und wir als Piraten ja nur Musiker und Softwareentwickler als Urheber sehen.

Dann kommt lustigerweise die Erkenntnis des Autors, daß er sich mehr Musik kaufte, als er häufig Musik aus dem Netz runterlud. Er hält das aber für die Ausnahme, daher braucht man sich mit diesem Fakt nicht zu beschäftigen.

Es folgt eine Anekdote, die mich schließlich zu meinem tweet von oben brachte. Der Autor schildert, daß er früher bei Lesungen auf die Kasse des Vertrauens setzte. Das funktionierte seiner Meinung nach schlechter, als einen bestimmten Obulus als Eintritt zu nehmen. Seine Schlußfolgerung daraus ist, daß Menschen weniger geben, als ihnen etwas wert ist, wenn die Abgabe freiwillig ist. Würde diese These stimmen, hätte man als Straßenmusiker schlechte Karten. Denn in der S-Bahn ist niemand gezwungen, dem Ringbahnorchester etwas zu geben.

Als nächstes kommt dann der Wirtshausvergleich. “Stell dir vor, du gehst ins Restaurant und zahlst anschließend einen von dir selbst gewählten Betrag, aber nur, wenn du beschließt, dass das Essen dir auch wirklich etwas wert war und wenn der Wirt noch keinen Zechpreller angezeigt hat.” Ja, stelle ich mir vor. Kenn ich. Funktioniert scheinbar bestens. Denn genau das ist das Konzept der Weinerei. Da ich ja auf twitter immer für einen schlechten Wortwitz zu haben bin, schrieb ich: “Urheber so: Nur zahlen, was es einem Wert ist, funktioniert nicht. $Wirtshausvergleich Ich so: Weinerei” Im Fall der Weinerei, muß dazu gesagt werden, daß die eine Mindestspendenhöhe von zwei Euro empfehlen. Aber der Laden läuft so seit Jahren.

Soweit die Vorgeschichte. Dann kam das mit dem Siezen. Ich kann ja siezen auf den Tod nicht leiden, da es auf einem Verständnis der Ungleichheit der Menschen beruht. Es ist höflich zu Siezen, aber da ich nicht bei Hofe bin, möchte ich auch nicht gern gesiezt werden. Auf jeden Fall wurde mein “$Urheber so: foo Ich so:bar”-tweet mit einem blogpost bedacht. Großes Kino. Dort bin ich der Parteisoldat. Und das mit dem Wirtshaus sei ganz simpel, so erklärt man mir. In dem Wirtshaus kostet ein Bier und ein Hering halt Geld und mit Musik ist das halt auch so. Das für den spiralteppich, bzw. den Autoren maukenking automatisch Musik als Beispiel genommen wird, zeigt, daß Urheber auch in anderen Teilen der Bevölkerung hauptsächlich, als Musiker gesehen werden. Und da mich der Autor persönlich sehr gut aufgrund der 140 Zeichen kennt, hat er auch gleich herausgefunden, warum ich die Urheber bashen muß. Ich kann quasi nicht anders. Fast schon pathologisch. Es ist natürlich die Intellektuellenfeindlichkeit. Dann folgt der Postvergleich. Wenn man einen Brief abschickt muß der frankiert werden. Meine Überraschung war groß, davon hatte ich noch nie gehört.  Und wenn man den abschickt dann verdient der Zumwinkel daran. Intellektuelle von Format, möchte man ausrufen, danke für diese Glanzleistung geistiger Höhenflüge.

Und jetzt icke. Ich denke, daß es notwendig ist, einen unabhängigen öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu haben, ebenso wie einen Journalismus, der es sich leisten kann zu recherchieren. Gute Beispiele, daß das funktioniert gibt es in Großbritannien. Ein kurzer Vergleich von BBC-Produktionen mit dem seichten Dokutainment auf 3sat, zeigen einen deutlichen Unterschied. Da ich in letzter Zeit des öfteren genötigt wurde, mir die Qualitätstalks des deutschen Fernsehens anzusehen und leider meine Erinnerungen an die NDR-Talkshow in den 90ern noch zu lebendig sind, fühle ich mich schlichtweg verarscht. Nein ich möchte diese mangelhaft produzierten Lebenszeitfresser nicht finanziell unterstützen. Ich zahle GEZ für Radio, weil dadurch auch Sender, wie der Deutschlandfunk und RadioEins ihr Programm finanzieren. Gleiches gilt für unabhängige Medien. Eine Nachrichtenredaktion braucht Korrespondenten, die vor Ort an verschiedenen Teilen der Welt sind. Sie braucht auch Journalisten, die mehrere Monate an einer Story recherchieren. Das kostet Geld und das muß irgendwie reinkommen. Aktuell sind die Einnahmen im online-Journalismus wohl werbefinanziert, weshalb ein Artikel über drei bis sieben Seiten geht. Teilweise hat man aber das Gefühl, das Hauptrechercheinstrument google, wird vielfach nur bedingt beherrscht, eine Schlußredaktion ist nur die Ausnahme, von Rechtschreibprüfung will ich nicht anfangen. Leider ist das zwar gelegentlich der Fall, aber die Pauschalverurteilung vieler Piraten, gegenüber der “Systempresse” ist ungefähr so platt, wie die Pauschalverurteilung der Piraten in den Texten einiger Urheberrechtsdialoge.

Leider höre ich wenig von den Urhebern, wie sie zu buy-out-Verträgen, Rechteabtretungen und Alleinvermarktungsrecht großer Konzerne stehen. Ich vermisse alternative Konzepte, wie man der “kriminellen Downloadindustrie” begegnen und ihr das Wasser abgraben kann, um die Millionen, die dort angeblich verdient werden, selbst zu bekommen. Viele Menschen sind bereit, etwas zu zahlen. Wenn sie eine entsprechende Gegenleistung sehen. Das funktioniert seit dem Verkauf von Ablaßbriefen. Der Gegenwert muß nicht zwingend materieller Art sein. Gute Beispiele, wie so etwas funktionieren kann sind beispielsweise die Finanzierung von Iron Sky. Ein Beispiel für eine mögliche Vermarktung wäre Big Buck Bunny, ein animierter Kurzfilm, den man als Video auf vimeo sehen, in verschiedenen Qualitäten oder als .iso runterladen und die DVD selbst brennen kann. Ich habe dort aber auch die Möglichkeit die DVD zu kaufen. Warum sollte so was nicht auch mit Hollywoodblockbustern oder kleinen unabhängigen Produktionen funktionieren?

Kommen wir mal zu den ganzen Milchmädchenrechnungen, Vergleichen und anderen Dingen.

Numero uno: Der Kinovergleich

Wenn ich ins Kino gehe, zahle ich für einmal sehen einen Betrag. Gleiches gilt für eine Theateraufführung oder eine Oper. Das sind aber Dinge, die ich nicht mit einer DVD, einer Schallplatte oder ähnlichem vergleichen kann. Sie sind so wenig vergleichbar, wie Wirtshaus und Buch. Im Wirtshaus werde ich ausgelacht, wenn ich, nachdem ich aufgegessen habe, einen zweiten Teller verlangen würde, mit der Begründung ich hätte ja $Essen bezahlt. Genauso würde ich das gekaufte Buch auslachen, wenn ich jedesmal Geld zahlen müßte, um es ein zweites Mal zu lesen. Video killed the radio star.

Numero dos: Der Postvergleich

Ja, einen Brief zu schicken kostet Geld. Die wahnwitzige Idee, daß der Versand einer Mail kostenfrei wäre, ist einer der logischen Brüche, die man sonst immer der Netzgemeinde zu schreibt. Weil euch der Versand einer Mail nichts kostet, muß er also umsonst sein. Die Server über die die Mail geschickt wird, laufen selbstverständlich ohne Strom in von google gekauften Hallen in Nordostsibirien. Komischerweise finanzieren sich diese Postalternativen ohne, daß man ne Briefmarke für die Mail kauft und ich frage mich, warum solche Finanzierungen nicht auch für andere Dinge (Filme, Qualitätsjournalismus, Musik, …) funktionieren sollen? Der Erfolg von apple und itunes zeigt, daß Menschen bereit sind für content zu zahlen, wenn es für sie einfach möglich ist. Dummerweise landet hier wahrscheinlich das Geld zu großen Teilen bei apple und nicht bei den Urhebern.

Ich arbeite selbst in einer Videothek, da ich nach jahrelanger Fernsehsucht, die abnehmende TV-Qualität nicht mehr ansehen wollte und bestreite meinen Lebensunterhalt mit dem Verleih sogenannter obsoleter Medien (jahrelang für einen Stundenlohn von unter fünf Euro). Ich lebe in Prenzlauer Berg, wo viele Menschen irgendwas mit Medien machen. Fast alle von denen haben Internetanschlüsse und sind sich der Existenz der verschiedenen online-Videotheken bewußt. Daher muß man andere Wege finden, um die Menschen davon zu überzeugen, ein Museum obsoleter Medien zu betreten. Ich persönlich mag Filme, schaue sie aber gern im Original. Eine Plattform, wie kino.to oder andere haben mich bis jetzt nicht überzeugen können. Ich will keine Pop-ups wegklicken, irgendwelche freeware-player kaufen und dann im Kino mit AutoFocus abgefilmte Blockbuster zu sehen. Ich möchte Filme und auch deleted scenes sehen. Auch der Versand von geliehenen DVDs per Post, ist für mich grober Unsinn. Ich möchte einen englischsprachigen Film mit englischen Untertiteln sehen. Seit neuestem gibt es das leider bei vielen DVDs nicht mehr. Daher bin ich auf Importversionen angewiesen, die ich in vielen Videotheken und online-Portalen nicht bekomme. Und ich gehe auch ins Kino. Iron Sky werde ich mir mindestens noch einmal im Kino ansehen. Doch auch da kaufe nur ungern die Katze im Sack. Durch meine Arbeit, weiß ich, daß auch in Hollywood reichlich unfähige Urheber in Lohn und Brot sind und ich sehe mir manches gern auf DVD an. Ich sehe nicht ein, für einen Film, wie sagen wir mal Sterben für Anfänger oder Green Lantern, sieben Euro an der Kinokasse zu bezahlen.

Und ich liebe Serien. Wenn sie gut gemacht sind. In Amerika hat man verstanden, daß dafür gute Autoren eine gewisse Zeit arbeiten müssen und es teilweise ein Jahr dauert, bis die Rohfassung eines Skripts fertig ist. Und der Streik der Autoren hat vor einiger Zeit deutlich gemacht, daß es die Möglichkeit gibt, ordentlich bezahlte Autoren eine geile Serie entwickeln zu lassen, wenn man es denn will.

Die Frage, die sich mit der veränderten Situation durch das Netz stellt, ist doch was man wie vermarkten will. Ich wäre gern bereit für apps Geld zu zahlen, aber mein android will dafür ne Kreditkarte. Sorry folks, ich hol mir deswegen keine AmEx. Buch das von meinem Guthaben ab, fertig. Die Frage ist, welche Güter Allgemeingut sind und welche nicht. Und wie man die letzteren einfach zu den Menschen bringt, ihnen die Möglichkeit gibt, etwas dafür zu geben (ob das nun ein Festpreis oder ein selbst festgelegter Betrag ist). Und man muß auch sehen, daß es im Netz viele Menschen gibt, die ihre Werke, kostenlos zur Verfügung stellen. Ein Beispiel sind die ganzen Hitlerfindsout-Videos auf youtube. Es kostet doch schon ein paar Stunden, die Untertitel zu entwickeln, sie auf das Video passend zu machen, etc. Das ist in etwa so wie street art, bei der man während der Erschaffung des Werks nicht erwartet, dafür Geld zu bekommen. Eher erwartet einen ein Prozess wegen § 303 StGB. Und dennoch ist auch das eine Form der Erschaffung kultureller Werte, die von vielen nicht mal annähernd als schützenswertes Werk mit Schöpfungshöhe gesehen wird, außer man ist banksy. Die Hitlerfindsout-videos basieren auf Szenen des Films der Untergang und werden daher in steter Regelmäßigkeit von youtube entfernt. Weil man die Rechte der Filmvermarkter nicht achte. Dabei wird die Arbeit der Menschen, die diese Parodien erstellen, komplett ignoriert. Vielleicht mahnt demnächst Butter Lindner den Beuys ab?

Numero tres: It’s twitter stoopid!

Mein Lieblingssatz der letzten Wochen ist: Ich bin auch Urheber. Meist sind es in meinem Fall Kommentare zu dämlichen Äußerungen meiner Parteikollegen, was ja zum Glück nur fünfmal täglich passiert. Oder unsinnige Wortspiele. Wie halt “Weinerei!” Oder sowas wie “Ich möchte in einer Welt leben, in der die Menschen erkennen, wie krass Fernsehen verblödet. Und wo Einhörner leben. Bunte Einhörner, bitte.” Das ist für mich twitter. Der Unsinn der dort täglich drüber läuft, trägt zu einem Großteil zu meiner Belustigung bei. Ich mag diese ganzen Verrückten in meiner Timeline. Allerdings ist es für mich meist satirischer Kommentar zu aktuellen Dingen. Es ist so wie fefe lesen. Es unterhält ausgezeichnet, aber es ist nicht immer ganz ernst gemeint. Und Sarkasmus wird nicht gesondert ausgewiesen. Wenn euch das zu kompliziert, zu viel, zu albern, zu wenig intellektuell ist, lest es nicht. Oder regt euch nicht darüber auf, wenn ihr es gelesen habt. Oder schaut euch Sturm der Liebe komplett an und schreibt der ARD böse Briefe. Und kommt mir bitte nicht mit Intellektuellenfeindlichkeit, wenn ihr nicht in der Lage seid Urheberrecht oder Matratze zu schreiben, oder zu faul dazu euren Text vor dem publizieren nochmal zu lesen.