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Hinterschwörung

Klausur (von spätlat. clausura „Verschluss“, von lat. claudere „schließen“) ist ein in Klöstern abgetrennter Bereich, in den sich Mönche eine gewisse Zeit zurück zogen. Sie ist ein Substitut für die Wüsteneinsiedelei der Eremiten. Klausur ist auch eine Form der Prüfung. Hefte raus, Klassenarbeit. Die Klausur, von der ich hier schreiben werde, kommt der ersten Wortbedeutung näher. Doch eigentlich müssen wir noch etwas in der Zeit zurück gehen.

Im Februar 2011 fand eine LMV statt. Da wurde ein neuer Landesvorstand gewählt. Eberhard stellte damals allen Kandidaten die Frage, ob sie bereit wären, an einer Vorstandsklausur teilzunehmen. Da wir eine bevorstehende Wahl hatten und der zu diesem Zeitpunkt amtierende LaVo nicht ohne persönliche Differenzen arbeitete, verstand jeder sofort, warum ein Kennenlerntreffen wichtig ist. Im April fuhren wir gemeinsam ein Wochenende weg und ich bin der Meinung, daß es für die gute Zusammenarbeit des 2011er LaVo eine wichtige Voraussetzung war. Ich übernahm die Frage Anfang 2012 und stellte sie allen Kandidaten. Alle bejahten, die Frage, eine Klausur fand bis zu Hases Rücktritt allerdings nicht statt. Ich weiß nicht, ob eine Klausur, den Rücktritt Hases verhindert, den jetzigen LaVo zusammengeschweißt hätte, meine Glaskugel sagt dazu nix.

Wovon reden wir denn eigentlich? Ein Wochenende, wo die gewählten Kandidaten wegfahren, um sich auf persönlicher Ebene kennenzulernen. “Aber wir kennen uns doch.” könnte man erwidern. Ja, das ist richtig, aber wir kennen uns meist nur von Squad- und Crewtreffen, Parteitagen, etc. Nicht alle treffen sich auch außerhalb des Parteikontext.  Da so ein LaVo auch schon wenige Stunden nach der Wahl einsatzbereit sein muß, kenne ich noch von 2011. Unser Stichwort damals war Montagskrise. Es gab davon in den ersten Wochen unserer Amtszeit mehrere. Doch warum schreibe ich das alles?

Es wird im Moment viel geschrieben. Vor allem auf der Berliner Mailingliste der Piraten. Unter anderem auch über die Klausur. Da ich die Frage zur Klausur gestellt hatte, setzte Katja ein doodle auf, um zeitnah einen Termin zu finden. Dieses doodle wurde nach kurzer Zeit getrollt. Man trug meinen und andere Namen doppelt ein. Nicht sehr originell und auch nicht besonders witzig. Daraufhin machte Gero ein pad auf und schickte den link an alle Kandidaten. Ein Kandidat schrieb daraufhin ein “Tranzparenzmail” an die Berliner ML. Er unterstellte, ein ausdoodlen der Klausur würde die Entscheidung der LMV vorwegnehmen. Wir würden davon ausgehen, daß wir sowieso gewählt würden. Mein Lieblingssatz ist “Und zu der Frage, ob man eine Vorstandsklausur braucht, um sich kennen zu lernen, hätte ich eine Menge zu sagen, aber das wäre nicht für zarte Ohren bestimmt.” Oh meine zarten Öhrchen. Nein, im Ernst. Ich hätte gern gehört, was Michael zu sagen hat. Ich bin da ja nicht so zimperlich. Moni interessierte das wohl auch und sie stellte die Frage, bekam aber nur Gegenfragen und stellte die Frage daraufhin noch einmal. Bis jetzt kam keine Antwort.

Es wird so getan, als wäre eine Vorstandsklausur eine intransparente Hinterschwörung, auf der irgendwelche Dinge ausgekungelt werden. Und es wird gefragt, ob ein Kennenlernen der Kandidaten, nicht auch in größerem Rahmen stattfinden könnte. Meiner Meinung nach geht es nicht, daß sich Menschen auf persönlicher Ebene kennenlernen, wenn sie von 30 anderen dabei beobachtet werden. Und es soll ja auch nix wichtiges auf der Klausur besprochen werden, sondern die gewählten Kandidaten sollen zusammen einkaufen, kochen, essen, trinken, wandern, was auch immer ihnen in den Sinn kommt. Es geht darum einen Raum zu haben, wo man sich außerhalb des Parteikontext trifft. Keine Piratendinge bespricht, keine Planungen, just simple Zusammensein.

Witzigerweise macht auch die BVV Mitte eine Klausur. In Brandenburg. Und natürlich gab es auch da sofort ne “Tranzparenzmail” von Michael. Es wäre eine Seuche. Und Simon maulte, weil eine Klausur ja fast so schlimm wäre, wie #dasCamp. Ich lachte hart. Maul- und Klausurenseuche.

Viele Grüße von eurem #herrnf0o0rlaub, der sich gerade in Polen in Klausur befindet. Oder rereat wie man bei uns Buddhisten sagt. Aber das ist angeblich Religion. Und Privatsache. ;)

 

 

P.S. Eine gute Initiative des jetzigen LaVo sind die jour fixes, die in die gleiche Richtung gehen, wie die Vorstandsklausur

 

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